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Die Frühgeschichte von Gersweiler.

Gersweiler, ein damaliges altes Bauerdorf im Saartal, unterhalb der Stadt Saarbrücken und an diese angrenzend, dehnt sich mit seinem Besitz im Süden bis zur französischen Grenze aus. Im Norden bildet die Saar die Grenze, im Osten Saarbrücken mit seinem Waldgebiet, im Westen sind die Orte Klarenthal und Völklingen die Nachbarn. Dunkel ist die Entstehung und der Uranfang unserer Gersweiler Besiedelung. Bodenfunde bezeugen das sich in der Saartalrinne schon vor über 2000 Jahren Menschen angesiedelt hatten.

Die spätere Zeit, etwa um 58 v. Chr., die zur Unterwerfung ganz Galliens führte, ließ auch unser Gebiet vollständig besetzen die vielen römischen Funde beweisen das. Am Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. Brachen germanische Stämme die römische Herrschaft. Es waren Franken die sich hier niederließen. Die fränkische Landnahme brachte umwälzende Reformen.Nach Lebensbeschreibungen der Heiligen des 6. und 7. Jahrhunderts wird die Kultivierung von Ödland, Wäldern und Sümpfen als religiöse, verdienstliche Tugend gepriesen.Damit beginnt die frühmittelalterliche Aufbauzeit, in welcher die größte Zahl der alten ....weiler-Orte entstand, wahrscheinlich auch Gersweiler. Etwa vom 8. bis 14. Jahrhundert rechnet man die mittelalterliche Rodungsperiode mit den sogenannten  ....bach- und.....hausen-Orten.

Die älteste Urkunde ist von 1252.  Der Ort nannte sich dann bis zum Jahre 1312 Gerswiler, 1524 Gerswillre, 1542 Gerßweiller, 1729 Gerschwyler, ab 1807 Gersweiler.

Im Jahre 1618 begann im entfernten Böhmen ein Krieg, der dreißig Jahre dauern und großes Unglück über das ganze deutsche Reich, somit auch über die Grafschaft Saarbrücken, bringen sollte. So schwer die Jahre 1625, 1627 und 1632 hier auch waren, so gingen sie doch vorüber ohne wesentliche Eingriffe in den Bestand der Bevölkerung und der Dörfer, das Leben ging weiter. Furchtbar war das Jahr 1635. Nach der Schlacht von Nördlingen im September 1634, bei welcher Schweden die größte Niederlage erlebte, wurde jetzt Bernhard von Weimar der Heerführer der vereinigten Schweden und evangelischen Truppen gegen den Kaiser. Er mußte sich auf das linke Rheinufer zurückziehen, um sich mit den verbündeten Franzosen unter dem Befehl des Kardinals de la Valette in Lothringen zu vereinigen. Gallas, Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, setzte ihm nach. Es war durchaus kein rein innerdeutscher Religionskrieg, sondern ein Machtkampf zwischen den Herrscherhäusern Bourbon und Habsburg. Das kaiserliche Heer bestand im wesentlichen aus deutschen Landsknechten, Spaniern, Ungarn und Kroaten, das schwedische aus eigenen Landsleuten, deutschen Landsknechten, aber auch aus vielen anderen Völkerschatten, Dänen, Iren, selbst Lappen. Die Ungarn, Kroaten Undaschweden waren die Gefürchtetsten. Diese zum Teil sehr undisziplinierten Völkerschatten fielen 1635 über unser Land, aber auch über Pfalz und Lothringen her. Bei Merlebach vereinigten sie sich. Nach ihrem Abzug blieb ein zerstörtes Land zurück. Wo sonst frohe und fleißige Menschen lebten und Wohlergehen geherrscht hatte, war jetzt nur verbrannte Erde, herrschten Hunger, Not, Elend und Pest.

Die Landbevölkerung war, sofern möglich, in befestigte Städte geflohen, nach Trier, Luxemburg und vor allem Metz, das damals französisch war. Die Familie des Grafen von Nassau-Saarbrücken mit dem ganzen Hofstaat zog es ebenfalls in diese Stadt. Graf Wilhelm Ludwig sollte Saarbrücken nicht mehr wiedersehen 1640 starb er in Metz in dürftigen Verhältnissen.

Befehlshaber der Truppe, die über Gersweiler herfiel, war der Marquis von Gonzaga aus einem italienischen Geschlecht bei Mantua, ihm unterstanden etwa 6000 Mann, Ungarn und Kroaten. Gonzaga hatte bei Wallerfangen die Saar überschritten, die Stadt gestürmt und verbrannt. Auf seinem Weg nach Saarbrücken hinterließ er ausgeraubte und eingeäscherte Höfe und Dörfer. Die Belagerung von Saar-brücken, das von den Franzosen verteidigt wurde, begann am 28. September 1635. Die Zerstörung Gersweilers dürfte somit Ende September dieses Jahres erfolgt sein.

Am 7. Dezember 1635 berichtet der Rentmeister Klicker, in Gersweiler „seind nit mehr als 3 Einwohner am Leben." Anderen Orten erging es nicht besser. So seien in Völklingen "nit mehr als 8 oder 9 Unter-tanen", in Malstatt "seindt die Häuser teils abge-brannt teils abgebrochen, 5 Untertanen am Leben", in Ludweiler "weiß man nit, ob jemand am Leben", Nassweiler „ist uf'm Boden abgebrannt und niemand mehr vorhanden“, Sulzbach sei "fast ganz abge-brannt und leben an Untertanen nicht über 2“ usw.

Im Jahr seiner Zerstörung zählte Gersweiler mit Ottenhausen 18 Vogteien. Mit Vogtei bezeichnete man eine Hofstatt, ein typisches bäuerliches Anwesen, daß das Saarbrücker Landrecht minde-stens seit 1321 kennt. Graf Johann I. gab in diesem Jahr nicht nur den Städten Saarbrücken und St. Johann den Freiheitsbrief, sondern seinen gesamten Untertanen ein treffliches Landrecht, das zu den aus-führlichsten Werken dieser Art in jener Zeit gehört und bis zur Auflösung der Grafschaft als Rechts-grundlage diente. Eine Vogtei bestand aus der Behausung (Wohnung) und dem Stall, die unter einem Dach vereint waren, und weiteren einzelste-henden Gebäuden wie Scheune, Fruchtspeicher, dem Backofen und dem Keller (das Hauptgebäude war nur selten unterkellert).

Glücklicherweise hat sich in unserer Nähe, wenn auch mit Veränderungen, ein Haus aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg erhalten. Es befindet sich in Lautenbach, Kreis Neunkirchen, und wurde von Alfons Kolling eingehend beschrieben.2 Das Haus war ursprünglich 12,5m lang und 8m breit. Es gab nur einen Ofen in der Küche und nur die Wohnstube hatte zwei kleine Fenster. Die Kammer, 3,3 x 2,7m, diente als Schlafraum. Kammer und Wohnstube dürf-ten einen Holzfußboden besessen haben. Alle Wohnräume waren glatt verputzt und getüncht, eine gußeiserne Ofenplatte beheizte von der Küche aus die anschließende Wohnstube. Über dem Erdgeschoß befanden sich Dachkammern, da Dach war mit Stroh gedeckt. Die Anlage war geprägt von Klarheit und Einfachheit.

  

Bauernhaus in Lautenbach, Ansicht und Grundriß (Umzeichnung nach A. Kolling)

Zum bäuerlichen Anwesen gehörten auch Garten, Wiesen und Ackerland. Eine Vogtei durfte nicht ver-kleinert werden, sei es durch Verkauf, Schenkung oder Erbschaft.

Im Jahre 1635 war die Meierei Gersweiler - also mit Ottenhausen, das nie eine selbständige Gemeinde war - ein mittlerer Ort der Grafschaft. Aufgrund der Anzahl der vorhandenen Pferde, 62, kann man sagen, daß es kein armer Ort war. Die wohlhabensten Einwohner zu dieser Zeit waren Wagner Hans, Lang Nikolaus und Claußen Friedrich, jeder von ihnen hatte 5 oder 6 Pferde im Stall.

Meier in diesem schrecklichen Jahr war Hans Mohr, auch Mohr Henßgen genannt. Im Mai und Juni 1635 lieh er jeweils 6 Reichsthaler bei dem "Kaufhändlern Johann Schmidtborn. Zeuge war dabei der Gersweiler Hans Becker, auch Hans Bier genannt. Am 20. Juli 1637 bezeugt er dies in Metz vor dem Oberamtmann Philipp Georg von Pißport und teilt weiter mit, daß der Meier verstorben sei.

Die Jahre bis zum Friedensschluß 1648 waren weiter-hin geprägt durch ständige Truppendurchmärsche der verschiedensten Heere, alle verroht und ausqehun-gert.

Die Bevölkerung musste das Militär ernähren und wurde dennoch ihrer wichtigsten Habe beraubt. Übergriffe der Landsknechte, Krankheit, Unterer-nährung und Seuchen peinigten die Menschen. Das Acker- und Weideland wurde zur Einöde, die mensch-lichen Wohnstätten wurden Trümmerhaufen, die von Gestrüpp überwachsen wurden.

Nach 1635 war der ganze Ort zerstört und so gut wie menschenleer. So blieb es über ein Jahrzehnt lang. 1651 war die Einnahme der Rentenkammer für Gers-weiler und Ziegelhütte immerhin 19 Gulden und 13 Albus. Diese erste Wiederbesiedlung war aber von kurzer Dauer. 1661 wurde Gersweiler in einer Auf-zählung der Dörfer der Grafschaft Saarbrücken nicht mehr aufgeführt. Auch in Ottenhausen war niemand. Der Ansiedelungsversuch des Dominik Hoffmann aus Merlebach, der eine Tochter von Friedrich Claußen geheiratet hatte, schlug fehl. Er schaffte es nicht, das verwilderte Land so zu bewirtschaften, daß er seine Familie ernähren konnte und verließ die Grafschaft 1664, ohne sich vorher von der Leibeigenschaft los-zukaufen. Dies war damals ein Verbrechen, sein Name wurde an den Galgen geschlagen.

Eine echte Wiederbesiedlung setzte erst nach 1672 an. Die Grafschaft hatte etwa 84% seiner Bevöl-kerung verloren. Als erster bemühte sich Graf Gustav Adolf (1660-1677) um den Zuzug neuer Siedler. Er ließ auch die ausgewanderten Einwohner zur Rückkehr auffordern und versprach ihnen, ebenso den Neusiedlern, Befreiung oder Minderung be-stimmter Lasten.

Von den alten Familien, die im Dreißigjährigen Krieg in Gersweiler gewohnt hatten, war nur ein Nach-komme der Familie Becker wieder hier. Dies soll nicht bedeuten, daß alle anderen Familien ausgestorben waren. Bei fünf oder sechs trifft dies zu. Die Reuter, Christschilles, Wagner lebten in Malstatt und Saar-brücken. Von Kiefer wohnten eine Tochter und ein Sohn in St. Arnual. Von Melchior Clausen war ein. Sohn bei einem Grafen in Brüssel im Dienst. Von Arnual Cuntz war eine Tochter in Sierck mit einem Soldaten verheiratet. Von Krieger Nickel lebte eine Nichte in Metz. Eine Tochter von Lockweiler war noch am Leben, ebenfalls außer Land und mit einem Italiener verheiratet. Ein Sohn von Bastian Reuter war "Balbierern (Barbier) in einem anderen Land.

Es ist schwierig, die Besitzverhältnisse der Gers-weiler Einwohner nach dem Dreißigjährigen Krieg im heutigen Ort zu lokalisieren. Für Ottenhausen habe ich dies getan. Über Gersweiler ist diesbezüglich noch wenig erfolgt. Auch diese Arbeit liefert nur einen kleinen Mosaikstein. Fest steht, daß die ersten Gebäude von Gersweiler in der Hauptstraße zwi-schen der Krughütter Straße und der Straße "In der Meierei“, ferner in der Brunnenstraße bis zum Brunnen standen. In Ottenhausen standen die ersten Häuser etwa von der Klarenthaler Straße bis zur Blumenstraße.

Für die Zeit vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg stehen uns wertvolle Quellen zur Verfügung, die uns erlauben, viele, jedoch nicht alle Grundstücke und Gebäude zu lokalisieren. Zu nennen sind zuerst die Flurkarten des Geometers Johann Georg Valentin Knoerzer von 1762/63. Da das alte Bannbuch viel-fach unrichtig und widersprüchlich war, hatte Fürst Wilhelm Heinrich (1741 -1768) 1753 eine Renovatur-kommission ins Leben gerufen. Sie sollte alle Bänne der Grafschaft Saarbrücken und der Herrschaft Ottweiler aufmessen und den Eigentümern ihre rechtmäßigen Besitzungen gerichtlich zuschreiben. Die nach dieser Messung angefertigten Spezial-karten können noch heute den besten Arbeiten die-ser Art zur Seite gestellt werden.

Auszüge aus dem Buch: Zwischen Saar und Aschbach (Heimatkundlicher Verein Gersweiler-Ottenhausen)
und Flurnamensammlung vom Gersweiler Raum (Carl Büch)